Ziegenleder, Lammleder, Büffelleder: Was in einem handgenähten Lederschuh steckt

Ein Charook-Schuh besteht zu 100 % aus Leder — aber nicht aus einem einzigen. Aussen liegt Ziegenleder, innen Lammleder, unten Büffelleder. Das ist keine Zufallsmischung: Jede der drei Häute kann etwas, das die anderen beiden nicht können. Wer versteht, welche wo sitzt, weiss auch, wie sich der Schuh trägt und wie er gepflegt werden will.

Ziegenleder — die äussere Hülle

Ziegenleder ist im Verhältnis zu seiner Dicke aussergewöhnlich reissfest. Es lässt sich dünn ausarbeiten, ohne dabei an Stabilität zu verlieren — deshalb kann die äussere Hülle eines handgenähten Schuhs weich sein und trotzdem Form halten. Charakteristisch ist die feine, unregelmässige Narbung, die man an jedem Paar etwas anders sieht.

Entscheidend für den Alltag ist aber etwas anderes: Ziegenleder ist offenporig. Es lässt Luft und Feuchtigkeit durch, statt sie einzuschliessen. Genau darum geht es in dem Satz, der bei uns unter jedem Produkt steht — die Füsse können atmen, es entstehen keine schlechten Gerüche und der Fuss bleibt kühl. Wer schon einmal einen ganzen Sommertag in Kunstleder verbracht hat, kennt den Unterschied.

Lammleder — das Futter

Innen liegt Lammleder, die weichste der drei Häute. Es hat kaum Struktur und keine harten Kanten, weshalb es direkt auf der Haut getragen werden kann — auch barfuss, auch über Stunden. Ein Futter aus Textil würde sich schneller durchscheuern und Feuchtigkeit nicht in derselben Weise aufnehmen und wieder abgeben.

Lammleder nimmt mit der Zeit den Abdruck des Fusses an. Nach ein paar Wochen sitzt der Schuh deshalb anders als am ersten Tag — enger an den Stellen, an denen er soll, und weiter dort, wo der Fuss breiter ist.

Büffelleder — die Laufsohle

Unten braucht es das Gegenteil von weich. Büffelleder ist deutlich dicker und dichter als Ziegen- oder Lammleder und hält dem Abrieb stand, den eine Sohle täglich abbekommt. Es wird bei uns von Hand angenäht, nicht geklebt — die umlaufende Naht ist auf jedem Paar sichtbar und lässt sich im Reparaturfall erneuern.

Eine Ledersohle verhält sich anders als eine Gummisohle: Sie ist leiser, leichter und flexibler, dämpft aber nicht. Man spürt den Untergrund. Auf nassem Stein ist sie zu Beginn glatter als Gummi und wird erst griffiger, wenn sie sich eingelaufen hat.

Unbehandelt und natürlich — was heisst das?

Das Leder in unseren Schuhen ist unbehandelt und natürlich, also nicht mit einer Kunststoffschicht versiegelt. Das hat zwei Folgen. Die angenehme: Der Schuh bleibt atmungsaktiv und entwickelt über die Jahre eine eigene Patina — helle Stellen dunkeln nach, Knickfalten zeichnen sich ab. Die unbequeme: Er ist empfindlicher gegen Nässe und Flecken als ein beschichteter Schuh.

Die drei Lederarten im Vergleich

  Ziegenleder Lammleder Büffelleder
Position Äussere Hülle Futter Laufsohle
Stärke dünn, aber reissfest sehr dünn und weich dick und dicht
Aufgabe Form halten, atmen lassen Hautkontakt, Feuchtigkeit regulieren Abrieb aufnehmen
Pflege farblose Lederpflege keine, nur auslüften trocken halten

Und Rauleder?

Unsere Pantoffeln gibt es zusätzlich in Rauleder, also Wildleder. Das ist dieselbe Haut, nur von der Fleischseite her aufgeraut statt glatt geschliffen. Rauleder fühlt sich vom ersten Moment an wärmer an und nimmt Feuchtigkeit schneller auf — es reagiert dafür empfindlicher auf Nässe und will trocken gebürstet statt gefettet werden.

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